Eisenbahn   Deutschland   Röblingen a See  
  Das Bahnbetriebswerk Röblingen a See  
  Kleiner Beitrag zur Geschichte   Teil 1   1872 - 1900  
       
   Teil 1 - Von der Gründung bis zur Jahrhundertwende  
   Teil 2 - Von der Jahrhundertwende bis zum Ende des zweiten Weltkrieges  
   Teil 3 - Nachkriegszeit bis 1970    
   Teil 4 - 1971 bis zum Ende des Bahnstandortes Röblingen a See  
   Teil 5 - Die baulichen Anlagen des Bahnbetriebswerkes und die Wasserversorgung  
   Teil 6 - Die technischen Anlagen des Bahnbetriebswerkes  
   Teil 7 - Die Heizlokomotiven im Bw Röblingen    
   Ein bisschen Lokomotivstatistik    
   Ein paar Lokschilder röblinger Lokomotiven    
   Der Bahnstandort Röblingen a See und der Bahnhof    
   Die letzten 250 Millionen Jahre in Röblingen am See in einer Zeittafel  
     
     
   
   
       
 

Hallo, ich heiße Felix. In den letzten Jahren hat mich der Papa immer mal dorthin mitgenommen, wo es was von der Eisenbahn zu fotografieren gab. Ich bin da ziemlich rumgekommen. Zum Beispiel nach Röblingen am See in Sachsen-Anhalt. Mein Papa sagt, er kennt sich hier aus.

 
       

 

Wir hatten es nicht weit zum alten Bahngelände. Der Papa nervte gleich wieder. Ich sollte mich nicht dreckig machen. Ha ! Am Ende war er froh, dass ich mich eingesaut habe, denn i

 
       
 

ch habe meinem Forscherdrang freien Lauf gelassen und er konnte es nicht glauben, was ich erforscht habe. Das "Forschungsergebnis" hängt heute an der Wand bei ihm zu hause und ich gucke in die Luft. Na ja, nicht ganz. Ein CD - Brenner ist schon abgefallen. Ja, was wird dem Papa einen Brenner wert gewesen sein ? Verrate ich später :-)) Sonst war nichts als Unkraut.

Dann war da noch die Geschichte mit dem See. Heißt ja Röblingen am See und das interessiert mich schon, wo der ist. Soll ausgelaufen sein, sagt der  Papa. Da bin ich aber gespannt, wie er da `raus kommt, von wegen  ausgelaufen und so ... Hab` ich aber auch schon gehört und er hat mir schon mal eine alte Postkarte mit dem Seebad Oberröblingen gezeigt...

Und wenn ich nicht Bilder gesehen hätte, würde ich nicht glauben, dass vor dem Lokschuppen mal alles mit Lokomotiven voll gestanden hat. "Besucher in der Lokleitung melden". Was soll das sein? Der Papa sagt, da wurden die Pläne für den Einsatz der Lokomotiven gemacht und wer wann mit welcher Lok fährt und wer Kaffee kocht und solche Sachen, das Wichtigste wäre ja eine funktionierende Kantine mit Kaffeemaschine gewesen. Kaffeemaschine? Wir machen uns auf den Weg durchs Unkraut.

 
       
 

Kommt mir bekannt vor, das Chaos hier. Sieht echt krass aus. Woher kenne ich das ? Der Papa fragt, ob mich das vielleicht an mein Zimmer erinnert ? Müsste ich überlegen ... habe Weihnachten erst aufgeräumt.

 
       
 

Was meint der Papa bloß ? Ich werde nicken, denn ich wünsche mir einen DVD - Brenner zu Weihnachten. Ist ja bald :-) Ich lenke hier mal vom Thema Kinderzimmer ab und schiebe einen Werbeblock für die Oma ein. Wenn ich in Röblingen bin, wohne ich natürlich da und die hat eine kleine Pension. Dort kann  man sehr preiswert unterkommen, wenn man zum Beispiel die Eisenbahn hier besucht 

 
       
 

oder auf dem Weg zum Harz ist oder im Süßen See baden will - der Salzige See ist ja leider ausgelaufen ... Aber das Beste sind die leckeren Brötchen zum Frühstück. Unbeschreiblich. Wie macht die Oma das mit den Brötchen nur ? Ach so, der Uropa war Bäcker :-) Also einfach mal anrufen :-) Die Karte habe ich gemacht. Gut, was?  Der Papa erzählt inzwischen:

 
     
  1838  - Diskussion einer Eisenbahnstrecke von Halle nach Cassel über Röblingen und Nordhausen  
       
 

Bereits ab 1838 diskutierte man eine Eisenbahnstrecke von Halle nach Cassel. Der Visionär Friedrich List favorisierte dabei eine Linienführung durch das Saaletal über Erfurt und im Jahre 1841 ist dann auch die Entscheidung getroffen worden, im Wesentlichen den List`schen Vorschlag zu realisieren. Man verlor den Gedanken dennoch nicht aus den Augen, da die Wirtschaft und die Kommunen an diesem Verkehrsmittel interessiert waren.

 
       
 

...oh, oh - wenn es danach geht, bin ich auch Visionär. Ich sehe zum Beispiel ganz deutlich mein Schulzeugnis auf mich zukommen und da werden sicher auch Entscheidungen getroffen. Dagegen ist der Bau einer Eisenbahnlinie wahrscheinlich ein Sandkastenspiel, oh, oh....

 
     
 

Ein Sandkastenspiel war der Bau dieser Linie am Südrand des Harzes eben nicht, denn man verwarf die Linienführung zunächst vor allem auf Grund der schwierigen topografischen Verhältnisse - der Hornburger Sattel und das hessische Bergland mussten unter anderem überwunden werden - und der damit verbundenen Kosten. 1864 begann man aber unter dem massiven Druck der Wirtschaft unter der Regie der Magdeburg - Cöthen - Halle - Leipziger - Eisenbahn - Gesellschaft den Bau der Halle - Casseler Zweigbahn genannten Eisenbahnstrecke über Oberröblingen, Sangerhausen und Nordhausen nach Kassel zu realisieren. Der Streckenabschnitt von Halle/S. nach Eisleben, an dem der heutige kleine Ort Röblingen am See - bis 1952 Oberröblingen am See und nicht zu verwechseln mit Oberröblingen/Helme - liegt, wurde am 1.September 1865 eröffnet. Der durchgehende Verkehr wurde bis Nordhausen am 10.Juli 1866 aufgenommen. Am  09.07.1867 ging auch der Abschnitt Nordhausen - Arenshausen in Betrieb. Die Gesamtstrecke von Halle/S. `Cassel` war ab 13.März 1872 durchgehend befahrbar.

 
     
   
     
  Anlage einer Schiebelokstation im Jahre 1872 und die Gründung des Bw Oberröblingen im Jahre 1876  
     
 

Die Gesellschaft hatte insgesamt 18 Personenzuglokomotiven, 24 Güterzugloks, 4 schwere Tenderlokomotiven für den Vorspann im hessischen  Bergland, 4 leichte Tenderlokomotiven für den Rangierdienst und diverse Wagen vorgesehen. Im Oktober des Jahres 1867 waren davon 31 Lokomotiven vorhanden. Zwei der notwendigen Lokomotiven wurden zunächst in Eisleben - ca.12 km westlich von Oberröblingen am See - in einer zweiständigen Lokomotivstation, die sich nordwestlich des heute noch zu findenden Wasserturmes befand - stationiert. In Arenshausen gab es 6 Loks und in Halle waren 13 Maschinen stationiert. Alle waren von Borsig, Berlin, hergestellt worden. Sie wurden in den Jahren 1865 -1867 geliefert.

 
     
 

Nach dem deutsch - französischen Krieg von 1870/71 setzte der preußische Staat den Bau der so genannten Kanonenbahn von Berlin nach Wetzlar durch und erwarb dazu den Abschnitt Blankenheim-Trennungsbahnhof - Leinefelde der Halle - Casseler - Eisenbahn. Die für die Strecke zu erwartende höhere Belastung war für die KPEV Anlass, im Jahre 1872 in Oberröblingen am See eine "Schiebelokstation" einzurichten. Das wird umso verständlicher, wenn man sich die Topografie der Strecke um Blankenheim ansieht. Und so wurden nach 4-jähriger Bauzeit die Anlagen des späteren Bahnbetriebswerkes im Jahre 1876 mit einem 3-ständigen Lokomotivschuppen dem Betrieb übergeben und 2 Lokomotiven stationiert. Über die ersten in Oberröblingen stationierten Lokomotiven ist nichts bekannt. Es ist aber anzunehmen. dass es sich um einige der Borsig-Lokomotiven der Halle - Casseler Eisenbahn handelte und später werden es ziemlich sicher preußische Normalienlokomotiven gewesen sein.

 
     
 

...Ja, ja - preußische normale Lokomotiven, ich kenne nur normale Lokomotiven. Wie sahen denn die Loks hier früher aus ?

 
     
 

Na ja, immerhin wissen wir, dass die Loks 1876 stationiert worden sind. Und ziemlich wahrscheinlich waren es Borsiglokomotiven. So eine Lok hat heute und ich denke auch damals, eine so genannte normative Nutzungsdauer  von ca. 25 Jahren. Man hat vermutlich Loks stationiert, die vom Baujahr her etwa zwischen 1850-1855 und 1876 gelegen haben. Da es anfangs

 
Zeichnung aus Wikipedia
     
 

 

vornehmlich um das Nachschieben ging, werden das Güterzugmaschinen gewesen sein, obwohl die Differenzierung zwischen den Personenzug - und Güterzuglokomotiven damals noch nicht so ausgeprägt war. Links eine Lok etwa von 1870. Die Vielfalt an Lokomotiven der einzelnen Bahnen war

 
Zeichnung aus Wikipedia
     
 

dazu enorm. Die bis dahin häufig eingesetzten so genannten Longboiler - Bauarten - meistens mit der Achsfolge 1`B -, welche in Preußen übrigens ab 1851 für den Einsatz vor schnell fahrenden Zügen verboten wurden, hat man wegen der ungünstigen Laufeigenschaften auf Grund des überhängenden langen Kessels bei zunehmenden Geschwindigkeiten nicht mehr gebaut bzw. man hat vorhandene Maschinen durch Einbau von zusätzlichen Laufachsen vorn oder auch hinten umgebaut. Links eine Lok von etwa 1850. Die Loks

 
Anzeigenvignette der Halle - Casseler  Eisenbahn aus den Jahren 1864 und 1867, Sammlung Autor
     
 

wanderten dann meistens in den Güterzugdienst ab. Daraufhin setzte sich ab ca. 1851/52 mehr und mehr die 1`B Bauart mit unterstütztem Stehkessel durch, die solange gebaut wurde, dass sie sogar später noch zu preußischen Normalienlokomotiven wurden. Und auch die C - gekuppelten Lokomotiven wurden jetzt zunehmend für den Güterverkehr beschafft. Solche könnten es also gewesen sein.
Kürzlich habe ich auf alten Fahrplanunterlagen und Anzeigen Abbildungen von

 
Vignette eines Fahrplanes der Halle - Casseler  Eisenbahn von 1869 Sammlung Autor
     
 

Lokomotiven gefunden, die den hier eingesetzten wohl doch sehr nahe kommen. Warum sollte eine Eisenbahngesellschaft mit dem Bild fremder Lokomotiven werben ? Aber sicher ist das freilich nicht.

 
Vignette einer Anzeige der Magdeburg - Cöthen - Halle - Leipziger Eisenbahn von 1872
     
 

Der Einsatz der links abgebildeten Loks ist aber wenigstens auf den genannten Streckenabschnitten und in den genannten Zeiträumen recht wahrscheinlich.

 
Vignette eines Fahrplanes der Magdeburg - Cöthen - Halle - Leipziger Eisenbahn von 1872 Sammlung Autor
     
 

Und hier noch eine - zwar stilisierte - Ansicht einer Lok, aber doch informativ. Es handelt sich um eine Darstellung auf der Fahne der Halle - Casseler Eisenbahn aus dem Jahre 1876 und zeigt ein C - gekuppelte Lok. Die Tender hat man, wie oben zu sehen, in den Darstellungen meistens konsequent weggelassen, obwohl die Loks alle einen hatten.

 
Zitat aus: Lauerwald, Die Halle-Kasseler Eisenbahn, transpress-verlag
         
 

Die sind ja auch ohne Tender echt cool. Aber genau solche, fast ähnliche, nur anders aussehende Loks, habe ich auch schon geknipst. Ich habe ja auch schon im vorigen Jahrhundert damit angefangen. Soll ich mal zeigen ?? Da... ich stehe rechts :-)

 

 
       
 

Die Lokomotive, die den Eröffnungszug am 1.September 1865 von Halle nach Eisleben beförderte, hieß "Cyclop". Und vor kurzem habe ich dieses Foto gefunden. Das Bild zeigt die mit ziemlicher Sicherheit baugleiche Lok CENTAUR (BORSIG, Fabr.-Nr. 1728) der H.C.E. Die "Cyclop" war auch von Borsig und wurde mit der Fabr.-Nr. 1727 am 

 
Foto Sammlung Autor
       
 

22.05.1865 an die Halle - Casseler Eisenbahn geliefert. Das war eine Güterzuglokomotive der Bauart Cn2. Die Lok ging 1878 an die Frankfurt-Bebraer Eisenbahn und erhielt dort die Nummer 301. 1882 übernahm die Königliche Eisenbahndirektion Frankfurt die Lok unter der Nummer 800. 1895 kehrte sie wieder zur Königlichen Eisenbahndirektion Halle der Preußischen Staatsbahn zurück, behielt aber die Nummer 800. Das Ausmusterungsdatum ist nicht genau bekannt, liegt aber nach 1895. So hat sie über 30 Jahre Dienst geleistet. Das spricht ja für die gute Arbeit bei Borsig. Mit unseren Vermutungen zu den Maschinen lagen wir also ziemlich in der Nähe.

 
       
 

Wir schreiben Oktober 2007. Das ältestes Foto von Röblingen am See, das ich kenne und auf dem man das Bw erkennen kann, liegt vor mir. Ich sitze zum x-ten Mal vor diesem Foto mit dem Bahnhof Oberröblingen und versuche, es einzuordnen. Es dämmert nur langsam. Was bisher herauskam ?  Klick !

 
Foto Sammlung Familie Bobka, Röblingen/See
     
 

Auf der steigungsreichen Strecke nach Blankenheim nahmen die Transporte von Kohle, Erz, Kupfer, Gips und Kali zu. Das war Anlass, stärkere Maschinen der Gattungen T 3, T 9.2  und T 9.3  in Oberröblingen zu stationieren, die auch den Verkehr auf den Nebenstrecken einschließlich der am 1.Mai 1980 eröffneten Strecke Teutschenthal-Salzmünde übernommen haben.
Die Bedeutung des Bahnbetriebswerkes nahm noch zu, als am 1.Oktober 1884 die
Stichstrecke nach Querfurt eröffnet wurde. 
Eine Ahnung, wie es früher vor dem Schuppen ausgesehen haben könnte, bekommt man bei dem nächsten Bild.

 
     
 

Während der Bauphase ging die erste Probefahrt der neu gebauten Saxonia von Halle/S. nach Röblingen a See. Hier steht sie nach erfolgreicher Probefahrt noch ohne Verkleidung am 15.10.88 vor dem Schuppen im Bw.

saxonia_rn_151088_c_b800.jpg (99795 Byte)  

Kenne ich natürlich :-) 
Nee, nee das war nicht alles. 
Das geht noch weiter,
im Teil 2.

     
   
 
 
  text und fotos, falls nicht anders erwähnt   ©    hans-peter waack königswinter     letzte bearbeitung 12/12   home  
             
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