Eisenbahn  Röblingen a See  Anschlussbahnen
 
   
   
 
 
  Anschlussbahnen am Bahnhof Röblingen a See  
           
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   Bunge & Corte  
     
 
 

 

Ich danke Herrn Dieter Dalicho aus Seeheim-Jugenheim für die Übermittlung einiger Informationen sowie von Kartenmaterial und Denkansätzen, aus denen ich hier zitieren darf und die mich überhaupt erst auf diese Spur geführt haben. Er schreibt:

 
       
 

" (...) Werkanschlussgleis, das von der Westseite des Röblinger Bahnhofs in einer starken Rechtskurve (oder vielleicht mittels einer Wagen-Drehscheibe?) westlich von der ehemaligen Gärtnerei Böttcher (nicht mehr existent) über die Große Kesselstraße und dann oberhalb von der Schrebergartenanlage in Richtung Teufe verlaufen ist (möglicher Verlauf siehe (...) " Karte links) - Am Hang oberhalb der Teufe stehen ja heute noch ein paar Häuser, hier soll früher eine Teerfabrik existiert haben, die über dieses Gleis bedient wurde. Angeblich sollen die Güterwagen von einem Pferd gezogen worden sein. Es wäre

 
 

 

 
 

 

interessant, etwas über dieses Gleis zu erfahren. Keine Ahnung, wann es abgebaut wurde. In den frühen 50er Jahren lag es jedenfalls nicht mehr, ich erinnere mich aber noch an vereinzelte Schwellenabdrücke im Boden, zumindest habe ich damals diese gleichmäßigen Bodenmuster als Schwellenabdrücke interpretiert. Wie wird wohl die Einfädelung in die Reichsbahngleise ausgesehen haben, Drehscheibe oder Weiche ? " Vielleicht wissen Sie ja etwas über dieses Anschlussgleis?"

 
     
 

Nun, über diesen Anschluss wusste ich bis dahin nichts. Es war aber kein Geheimnis, dass da an der Teufe irgendwann mal eine Fabrik stand. Doch das war lange her und war nicht mehr interessant.

Dass es nach der Wende plötzlich wieder interessant wurde, verdanken wir dem Umstand, dass die Fabrik jahrelang Ölprodukte unkontrolliert in die Umwelt entließ und diese Umweltverschmutzung praktisch heute noch stattfindet, weil das Zeug immer noch aus dem Boden in Richtung Teufe durchsickert.

Im nächsten Bild sieht man die Fabrik von Nordosten mit der Teufe im Vordergrund. Die Teufe ist der bis zu 31 m tiefe Erdfall auf dem ehemaligen Grund des Salzigen Sees, von dem man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen darf, dass hier zwischen 1886 und 1892 der größte Teil des Wassers aus dem See in tiefere Bodenschichten und letztendlich in die Kupferschieferschächte des Mansfelder Reviers ablief.

 
       
  bunge_corte_fabrik_von_nordost_roeblingen_ca_1900_c_b800.jpg (71005 Byte)

Anfang der 1890er Jahre kam es durch die oben erwähnten Wassereinbrüche aus dem Salzigen See in die Mansfelder Kupferschieferschächte und den damit zusammenhängenden Abfall des Wasserspiegels des  Sees am Ufer zu Erdbewegungen und Erdfällen. In deren Folge traten Schäden an den Produktionsanlagen und Speicherbehältern auf, so dass Teile der Mineralölprodukte in den Untergrund gelangten.

 
Foto mit freundlicher Genehmigung Chronik der Gemeinde Röblingen am See
     
 

Die Fabrik wurde 1860 im Bereich der heutigen Frankestraße durch die Hallenser Unternehmer Bunge und Corte gegründet und war forthin auf typisch Mansfelder Art als "Die Schmiere" bezeichnet worden. Ihnen gehörte zunächst die Grube "Laura", heute als der Goldfischteich bekannt. Die Lauragrube war nach 10 Jahren erschöpft. Der Teer wurde fortan aus Langenbogen aus einer Schwelerei, die man dort erworben hatte, nach Oberröblingen verbracht. Dazu nutzte man ein Anschlussgleis vom Bahnhof Oberröblingen, welches gleich westlich der Gärtnerei Böttcher und westlich der Schrebergärten zur Fabrik führte. Man lieferte das Paraffin unter anderem nach Südamerika, China und Japan.

 
     
 

Die Fabrik wurde 1860 im Bereich der heutigen Frankestraße durch die Hallenser Unternehmer Bunge und Corte gegründet und war forthin auf typisch Mansfelder Art als "Die Schmiere" bezeichnet worden. Ihnen gehörte zunächst die Grube "Laura", heute als der Goldfischteich bekannt. Die Lauragrube war nach 10 Jahren erschöpft. Der Teer wurde fortan aus Langenbogen aus einer Schwelerei, die man dort erworben hatte, nach Oberröblingen verbracht. Dazu nutzte man ein Anschlussgleis vom Bahnhof Oberröblingen, welches gleich westlich der Gärtnerei Böttcher und westlich der Schrebergärten zur Fabrik führte. Man lieferte das Paraffin unter anderem nach Südamerika, China und Japan.

 
     
 

Es geht natürlich in erster Linie um deren - aus heutiger Sicht - interessanten Eisenbahnanschluss am Bahnhof Oberröblingen am See aber die weitere Geschichte ist kurz umrissen und nicht weniger interessant. Mit dem Einbruch der Teufe wurden die Fundamente der Fabrik dermaßen in Mitleidenschaft gezogen, dass Bassins mit Ölprodukten platzten und das Öl in die Erde lief und diese verseuchte. Das Öl konnte nicht wieder aufgefangen werden und war verloren bzw. bildete es auf der Teufe einen Ölteppich. Das war 1892 und das Ende der Fabrik war damit eingeläutet. Mit Wirkung vom 01.01.1923 gehörte die Fabrik zum Riebeckschen Imperium. Man begann gleich mit dem Rückbau, lediglich die Schwelerei wurde noch bis 1925 weiter geführt.

 
     
 

Den wenigen Informationen und Fotos über das Unternehmen kann man entnehmen, dass das ein typisches frühkapitalistisches Unternehmen war, welches sich aus Gründen der Profitmaximierung offenbar weder für das Wohl der Belegschaft und noch weniger für die Umwelt interessiert hat. Es bestand also anfangs ein Gleisanschluss vom Bahnhof Röblingen a See bis in die Mineralölfabrik Bunge & Corte. Zur Streckenführung bis zur Fabrik von Bunge & Corte

 
     
 

kann man einige Aussagen machen. Der von Herrn Dalicho vermutete Verlauf ist im Wesentlichen richtig. Nun lässt sich auch die Anbindung genauer bestimmen. Es gab im Jahre 1894/95 als Übergang von der Halle - Casseler - Eisenbahn ein aus dem Gleis 11 des Bahnhofs Oberröblingen a See abzweigendes normalspuriges Anschlussgleis mit etwa 65 m Gesamtlänge und anschließend ein schmalspuriges Feldbahngleis mit vermutlich 600 mm Spurweite, beginnend auf einer Überladerampe bis zur Frankestrasse. Der Betrieb erfolgte mit Pferden.

lageplan_oberoeblingen_1894_95_feldbahn_bunge_c_b800.jpg (138343 Byte)  
Sammlung Autor
     
 

Es wurde Zeit, dass ich mir die Situation mal vor Ort ansehe. In der Nähe lag des Öfteren mein Schulweg, aber wer hat als Schüler auf so etwas geachtet ? Und ich war selbst überrascht, was sich - wenn man genau hinsieht - findet. Aber da musste man schon wissen, was man sucht. Z.B. findet man das hier. Das ist ein ca. 200 m langer "unnatürlicher " Einschnitt, beginnend etwa 50 m westlich des Endes vom Hausbahnsteig ( Bahnsteig 1 ) des Bahnhofs Röblingen a See. Dieser Einschnitt führt gerade auf dem

 
     
 

Höhenniveau Schwellenoberkante der Streckengleise und ca. 1m unter dem angrenzenden Geländehöhenniveau parallel zur Kleinen Kesselstrasse bis zur Kesselstrasse. Beim Übergang über die Kesselstrasse kann man den Einschnitt nur schwer ausmachen aber eine Alternative gibt es nicht und so geht er nördlich der Kesselstrasse niveaugleich mit der Strasse weiter. Ich habe hier mal den möglichen Verlauf der Trasse skizziert. Die Trasse ist heute ein Lehrpfad und Radweg und so entspricht die Linienführung bis hier sicher dem oben in der Karte rot eingezeichneten Verlauf. Linien deuten

 
     
   

auch hier die mögliche Lage an. Der im Bild nach rechts schwenkende Radweg scheint mir ob des Gefälles weniger wahrscheinlich als Verlauf. Es ist aber nicht nachvollziehbar, ob sich was an der Geländestruktur verändert hat. Ob die müden Wanderer wissen, dass sie hier auf einem ehemaligen Bahnkörper sitzen ? Auf den Lehrpfadtafeln weist nichts darauf hin. Hier verliert sich auch die Spur, aber man kann davon ausgehen, dass das Gleis noch bis in das unmittelbare Fabrikgelände verlegt war und sich dort wahrscheinlich mit einer Weiche auf verschiedene Betriebsstätten verteilt

 
     
  belegschaft_bunge_rn_1902_c_b800.jpg (115039 Byte)

hat, denn eine Abstellmöglichkeit für einige Feldbahnloren war technologisch sicher sinnvoll.

Und mit diesem Foto kann man auch die Spekulation um die Spurweite der Feldbahn getrost beenden. Man schaue sich das Foto der Belegschaft an, setze die Fußgröße eines Arbeiters mit 30 cm an und vergleiche das mit dem Abstand der Schienen. Ich komme auf 2 Füße. Also Feldbahn mit 600 mm Spurweite. Ein übliches Maß und fast nicht anders zu erwarten :-) Das Foto ist aus dem Jahre 1902.

 
Sammlung Autor
     
  bunge_corte_fabrik_von_frankestrasse_roeblingen_c_cgr_b800.jpg (94584 Byte)

Hier noch ein Blick auf die Fabrik. Der Aufnahmezeitpunkt ist leider nicht bekannt, liegt aber ungefähr um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Man kann wohl unzweifelhaft sehen, dass man mit dem Umweltschutz überhaupt nichts am Hut hatte. Wahrscheinlich war das Wort auch noch gar nicht erfunden.

 
Foto mit freundlicher Genehmigung Chronik der Gemeinde Röblingen am See
 
 
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  text und fotos, falls nicht anders erwähnt   ©    hans-peter waack dresden     letzte bearbeitung 03.02.10   home