Bunge & Corte |
|
" (...) Werkanschlussgleis, das von der Westseite des Röblinger Bahnhofs in einer starken Rechtskurve (oder vielleicht mittels einer Wagen-Drehscheibe?) westlich von der ehemaligen Gärtnerei Böttcher (nicht mehr existent) über die Große Kesselstraße und dann oberhalb von der Schrebergartenanlage in Richtung Teufe verlaufen ist (möglicher Verlauf siehe (...) " Karte links) - Am Hang oberhalb der Teufe stehen ja heute noch ein paar Häuser, hier soll früher eine Teerfabrik existiert haben, die über dieses Gleis bedient wurde. Angeblich sollen die Güterwagen von einem Pferd gezogen worden sein. Es wäre |
|
||
|
interessant, etwas über dieses Gleis zu erfahren. Keine Ahnung, wann es abgebaut wurde. In den frühen 50er Jahren lag es jedenfalls nicht mehr, ich erinnere mich aber noch an vereinzelte Schwellenabdrücke im Boden, zumindest habe ich damals diese gleichmäßigen Bodenmuster als Schwellenabdrücke interpretiert. Wie wird wohl die Einfädelung in die Reichsbahngleise ausgesehen haben, Drehscheibe oder Weiche ? " Vielleicht wissen Sie ja etwas über dieses Anschlussgleis?" |
Nun, über diesen Anschluss wusste ich bis dahin nichts. Es war aber kein Geheimnis, dass da an der Teufe irgendwann mal eine Fabrik stand. Doch das war lange her und war nicht mehr interessant.
Die Fabrik wurde 1860 im Bereich der heutigen Frankestraße durch die
Hallenser Unternehmer Bunge und Corte gegründet und war forthin auf
typisch Mansfelder Art als "Die Schmiere" bezeichnet worden. Ihnen
gehörte zunächst die Grube "Laura", heute als der Goldfischteich
bekannt, falls noch jemand weiß, wo der ist. Wer das nicht weiß, das ist
der Platz, an den wir uns als 13-Jährige zurückgezogen haben um heimlich
mal zu probieren, wie Rauchen ist. Dass es nach der Wende plötzlich wieder interessant wurde, verdanken wir dem Umstand, dass die Fabrik jahrelang Ölprodukte unkontrolliert in die Umwelt entließ und diese Umweltverschmutzung praktisch heute noch stattfindet, weil das Zeug immer noch aus dem Boden in Richtung Teufe durchsickert. Im nächsten Bild sieht man die Fabrik von Nordosten mit der Teufe im Vordergrund. Die Teufe ist der bis zu 31 m tiefe Erdfall auf dem ehemaligen Grund des Salzigen Sees, von dem man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen darf, dass hier zwischen 1886 und 1892 Wasser aus dem See in tiefere Bodenschichten und letztendlich in die Kupferschieferschächte des Mansfelder Reviers ablief. |
Anfang der 1890er Jahre kam es durch die oben erwähnten Wassereinbrüche aus dem Salzigen See in die Mansfelder Kupferschieferschächte und den damit zusammenhängenden Abfall des Wasserspiegels des Sees am Ufer zu Erdbewegungen und Erdfällen. In deren Folge traten Schäden an den Produktionsanlagen und Speicherbehältern auf, so dass Teile der Mineralölprodukte in den Untergrund gelangten. |
|||
Foto mit freundlicher Genehmigung Chronik der Gemeinde Röblingen am See |
Es geht natürlich in erster Linie um deren - aus heutiger Sicht - interessanten Eisenbahnanschluss am Bahnhof Oberröblingen am See aber die weitere Geschichte ist kurz umrissen und nicht weniger interessant. Mit dem Einbruch der Teufe wurden die Fundamente der Fabrik dermaßen in Mitleidenschaft gezogen, dass Bassins mit Ölprodukten platzten und das Öl in die Erde lief und diese verseuchte. Das Öl konnte nicht wieder aufgefangen werden und war verloren bzw. bildete es auf der Teufe einen Ölteppich. Das war 1892 und das Ende der Fabrik war damit eingeläutet. Mit Wirkung vom 01.01.1923 gehörte die Fabrik zum Riebeckschen Imperium. Man begann gleich mit dem Rückbau, lediglich die Schwelerei wurde noch bis 1925 weiter geführt. |
Den wenigen Informationen und Fotos über das Unternehmen kann man
entnehmen, dass das ein typisches frühkapitalistisches Unternehmen war,
welches sich aus Gründen der Profitmaximierung offenbar weder für das
Wohl der Belegschaft und noch weniger für die Umwelt interessiert hat.
|
kann man einige Aussagen machen. Der von Herrn Dalicho vermutete Verlauf ist im Wesentlichen richtig. Nun lässt sich auch die Anbindung genauer bestimmen. Es gab im Jahre 1894/95 als Übergang von der Halle - Casseler - Eisenbahn ein aus dem Gleis 11 des Bahnhofs Oberröblingen a See abzweigendes normalspuriges Anschlussgleis mit etwa 65 m Gesamtlänge und anschließend ein schmalspuriges Feldbahngleis mit vermutlich 600 mm Spurweite, beginnend auf einer Überladerampe bis zur Frankestrasse. Der Betrieb erfolgte mit Pferden. |
|||
Sammlung Autor | |||
hat, denn eine Abstellmöglichkeit für einige Feldbahnloren war technologisch sicher sinnvoll. Und mit diesem Foto kann man auch die Spekulation um die Spurweite der Feldbahn getrost beenden. Man schaue sich das Foto der Belegschaft an, setze die Fußgröße eines Arbeiters mit 30 cm an und vergleiche das mit dem Abstand der Schienen. Ich komme auf 2 Füße. Also Feldbahn mit 600 mm Spurweite. Ein übliches Maß und fast nicht anders zu erwarten :-) Das Foto ist aus dem Jahre 1902. |
|||
Sammlung Autor | |||
Hier noch ein Blick auf die Fabrik. Der Aufnahmezeitpunkt liegt ungefähr um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Es spricht einiges dafür, dass hier die Bauarbeiten für den Ringkanal zu sehen sind, der bei der Fabrik begann und bis zur heute noch betriebenen Pumpstation in Wansleben angelegt worden ist. Dazu gibt es noch ein Foto von 1895, das unten zu sehen ist. Darunter ein Lageplan, der den neuen Ringkanal (rot) zeigt und da ist gut zu sehen, dass die Bauarbeiten offensichtlich an der im Plan gezeichneten Stelle stattfinden. Das Haus links im Foto unten war mal ein Restaurant, steht heute noch gegenüber der Einfahrt zum Park und fällt sicher bald ein. Leider lassen sich auf das Anschlussgleis bei Bunge&Corte im Lageplan keine Rückschlüsse ziehen. |
|||
Fotos mit freundlicher Genehmigung Chronik der Gemeinde Röblingen am See |
text und fotos, falls nicht anders erwähnt © hans-peter waack seegebiet mansfelder land letzte bearbeitung 02 2023 | home | |||