Von Radeburg nach Radebeul-Ost - Erinnerungen an die Reichsbahnzeit und ein Blick in die Gegenwart  
       
 

Es ist der 02.02.81. Einen Tag vorher haben wir - soweit ich mich erinnere - 99 1773 schadhaft abgestellt, so dass nur 99 1772 für den Personenzugdienst verfügbar war. Aber der Güterzugdienst nach Radeburg musste gefahren werden, der seinerzeit täglich - teilweise mit zwei Übergaben - stattfand. Man "erinnerte" sich der Museumslok 99 713 und heizte sie abends an. Wir wussten das bei Dienstende nicht, denn man versuchte, die 1773 zu reparieren. Große Überraschung bei Dienstbeginn, dass der Dienst auf der VI K stattfinden sollte  99 1713 am 02.02.81 in Radeburg

 
 

und ich witterte Fotogelegenheiten, die wirklich einmalig wären, denn ich konnte mich nicht erinnern, dass wir die 99 1713 schon mal vor einem Güterzug hatten. Zeit für ordentliche Schilder war offenbar nicht, denn zwei fehlten ganz und vor und hinten waren handgemalte Schilder dran. Leider hatte ich an dem Tag nur noch 5 oder 6 Dias zum "Verknipsen". Das ist dann etwas ärgerlich, wenn man sich so zurückhalten muss.

 
       
 

Die Teiche bei Moritzburg waren natürlich wunderbare Badestellen. Wenn wir dorthin unterwegs waren, wurde mit dem Lokpersonal - waren ja nun alle unsere Kollegen - vereinbart, am Dippelsdorfer Damm zu halten. Man sparte da wertvolle Zeit um zur Badestelle zu kommen und konnte gleich beginnen, für das Studium zu lernen, das war uns natürlich sehr wichtig... ;-) Und wer sagt denn, dass man die Eisenbahn nicht auch in der Badehose fotografieren kann. So entstand das Foto mit 99 1773 und einem kurzen Güterzug an einem schönen Sommertag des Jahres 1981 auf dem Dippelsdorfer Damm.

991773_friedewald_damm_gz_so80_c_b1000.jpg (194929 Byte)  
     
 

Bei der Einfahrt in den Bhf Moritzburg mit dem Personenzug und 99 1781 am 06.07.80 über die Weiche in Richtung Radebeul hörte es sich nicht an wie sonst. Die Fuhre hielt noch in der Weiche an. Obwohl es kein Problem darstellt, mit dem Deutschlandgerät die Lok wieder auf die Schienen zu stellen, dauerte die ganze Aktion ungefähr 6 Stunden, was Folgen hatte, denn es wartete am Abend im Studentenwohnheim ein Kasten Radeberger Export Bier ( selten, denn es war 1980 ! )

 
       
  991781_moritzburg_schlauch_060780_c_b1000.jpg (212291 Byte)

Als die Lok aufgegleist und nach x Probefahrten über die Weiche die Schuldfrage - wie fast immer - zuungunsten der Bahnmeisterei geklärt war, schwand die Hoffnung, dass bei der Ankunft im Wohnheim gegen Mitternacht noch ein Radeberger übrig ist. Ich lag mit der Vermutung dann völlig richtig. So etwas bleibt nun im Gedächtnis, komisch... Immer noch Moritzburg am 06.07.80, 3 Stunden nach der oben beschriebenen Entgleisung. Die Probefahrten, die ungeplante Aufenthaltszeit und das daraus resultierende "Schnippelwasser" im Wasserstandsglas ruft uns den Spruch -  Dampf kannste

 
 

hamm, Wasser musste hamm ! - in Erinnerung. In Moritzburg gibt es aber keinen Wasserkran. Ein freundlicher Anwohner half aus, in dem er anbot, einen Schlauch von einem Hydrant direkt am Bahnhof zur Lok zu legen und unsere Wasserbehälter zu füllen. Das Wasser lief wohl 2 Stunden, obwohl der Schlauch Feuerwehrgröße hatte.

 
     
   
     
 

Zwei Sachen sind bemerkenswert. Damals waren wir fast ein bisschen beschämt, als wir auf diese Weise Wasser nehmen mussten, heute ist das Füllen mit dem Schlauch selbstverständlich geworden, wenn Museumslokomotiven unterwegs sind. Aber man frage heute mal einen Wasseranbieter, ob er mal paar Kubikmeter Wasser ohne Wasseruhr spendieren kann ? An der gleichen Stelle habe ich am 02.02.81 die Museumslok mit dem o.g. Güterzug aufgenommen.

 
     
 

Nach der Entgleisung am 06.07.80 im Bahnhof Moritzburg stehen wir mit der 99 1781 abfahrbereit und ohne Zug zur Rückfahrt nach Radebeul bereit. Die Loks wurden dann üblicherweise noch einmal fahrwerksmäßig in Ruhe untersucht und meist ging es dann bei solchen relativ unbedeutenden Entgleisungen und nicht verändertem Rückenflächenabstandsmaß der Radsätze wieder auf die Strecke.   

 
     
  991747_rad_tv_091009_c_b1000.jpg (304373 Byte)

Fast wie früher. 99 1747 rollt an einem schönen Oktobertag 2009 zwischen Friedewald und Lößnitzgrund bergab. Der Zug gaukelt Reichsbahnzeiten vor. Tatsächlich sind nur die ersten 3 Wagen im Reichsbahnstil mit der Beschriftung erhalten, das reicht für dieses Foto. Eine idyllische Gegend, wie man sieht. Die Idylle wäre perfekt gewesen, wenn das Pferdchen, das da im Vordergrund bis vor ein paar Minuten noch ganz still gestanden hatte, nicht in die andere Ecke der Weide getrottet wäre, weil es da was zu Fressen gab.

 

 

 

     
   
     
 

Was sollte auf einem Eisenbahnfoto zu sehen sein? Eisenbahn! Und Landschaft! Richtig. Und man sollte erkennen können, wo es ist. Man schaut sich später ein Foto mit mehr Interesse an, wenn man die Veränderungen der Örtlichkeit nachvollziehen kann. Am Weissen Ross treffen Spitzhaus, Weinberge, Signaltafeln und die alte Telegrafenleitung zusammen. Dazu erfreuen uns die alte Einheitslok und die alten Wagen. Es könnte so schön sein, wenn da nicht der neue Bahnsteig wäre. Wir finden uns einfach mal fotografisch damit ab und 99 1747 am 21.09.09 in Radebeul am Haltepunkt

991747_rad_weiss_ross_210909_0_c_b1000.jpg (216457 Byte)  
 

Weisses Ross setzen den als gestalterisches Element ein und überhaupt, es läuft sich sehr schön auf diesem Bahnsteig, zumal in sehr netter Begleitung...:-)  Und da ich mich an diesem Tag nun schon ein ganz, ganz klitzekleines Bisschen mit den Bahnsteigfliesen abgefunden hatte - von Gewöhnung möchte ich dann doch nicht sprechen - habe ich den nächsten Gegenzug auch noch abgelichtet. Die schönen Wagen, das Wetter und die typischen Weinberge machen das Motiv durchaus fotografierbar. An manche Modernitäten wird man sich wohl einfach gewöhnen müssen.

 
     
 

In der nächsten Zeit bietet es sich an, die Herbstlaubfärbung bewusst einzusetzen und wieder mal paar ungewöhnliche Fotostellen zu suchen. Sehen wir mal, was daraus wird. Wir schreiben September 2009. Vor einer Woche endeten die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der Lößnitzgrundbahn nach einem Frontalzusammenstoß zweier Züge bei Friedewald unrühmlich und vorfristig. Nach dem gleichartigen schweren Unfall bei der Harzquerbahn Anfang der 90er Jahre hatte niemand mehr für möglich gehalten, dass so

 
99 1747 am 21.09.09 in Radebeul am Haltepunkt Weisses Ross
     
 

etwas wieder passiert. Und doch ist es wieder passiert. Nach über einer Woche gibt es nicht ansatzweise ein Ergebnis zur Ursache. Leider werden damit wieder wildesten Spekulationen Tür und Tor geöffnet. 99 1747 rollt am 21.09.09 unspektakulär im Bahnhof Radebeul-Ost aus. 120 Jahre ging es ohne befestigte Bahnsteige. Nun sieht es auch hier aus wie in einem Badezimmer.
 

 
     
 

99 1793 hat am 05.07.80 einen Güterzug aus Radeburg gebracht und fährt zur Rollwagengrube. Die Wagen wurden i.a.gleich nach Ankunft abgeladen. Der Turmmast stört mich heute auch, aber solche Fotos entstanden ungeplant, vielleicht während des Ausschlackens, beim Abölen oder Wassernehmen. Im Dienst ging es nicht in erster Linie um "Schönheit". Man kann ja froh sein, wenn man überhaupt abgedrückt hat, denn Selbstverständliches kam nicht so oft auf den ORWO-Dia-Film. Ohne Bearbeitung geht das heute nicht nach dem Scannen. Der Tag war offensichtlich kein heißer und sonniger ...

 
     
   
 
 
  text und fotos, falls nicht anders erwähnt   ©    hans-peter waack dresden     letzte bearbeitung 24.01.12   home